8) Psalm 88
  9) Jona 3,10-4,11
 10) Jesaja 66,13
 11) 1. Sam 18,6-16
 12) Jak 4,1-3
 13) 1.Petr 5,5-6

 

Predigt über 1. Mose 3,9-24
 

 

Adam und Eva, 1. Mos. 3, 9-24

 

Zunächst lebten die Menschen im Paradies, es war eine Idylle. Diese Idylle zerbricht in dem Moment, da die Menschen  von der Frucht des verbotenen Baumes essen. Die Menschen bemerken, dass sie nackt sind und machen sich Schurze aus Feigenblättern. Vor Gott bleibt diese Entwicklung nicht verborgen. Der biblische Erzähler berichtet: (Text 1. Mos. 3, 9-24)

Gott pflanzte einen Garten in Eden, ließ das erste Menschenpaar dort leben, gebot ihnen aber, vom Baum der Erkenntnis des Guten und des Bösen nicht zu essen. Denn sobald sie davon äßen, müssten sie sterben.

Von der Schlange jedoch verlockt aßen die beiden von seiner Frucht. Da gingen ihnen die Augen auf, sie wurden gewahr, dass sie nackt waren, und sie machten sich Schurze aus Feigenblättern.

Als Gott sich des Abends im Garten zeigte, verbargen sich Adam und Eva. Doch Gott rief Adam und sprach zu ihm: “Wo bist du?“ Er antwortete: “Ich hörte dich im Garten! Da hatte ich Furcht, weil ich nackt bin, und ich verbarg mich.“ Und Gott fragte: “Wer hat dir gesagt, dass du nackt bist? Hast du etwa von dem verbotenen Baum gegessen?“ Adam sagte: “Die Frau, die du mir gegeben hast, hat mir von der Frucht zu essen gegeben.“ Da sprach Gott zur Frau: “Was hast du da getan?“ Die Frau antwortete: „Die Schlange hat mich verführt, da habe ich gegessen.“ Da sprach Gott zur Schlange: „Weil du das getan hast, bist du verflucht vor allen Haus- und Wildtieren. Auf deinem Bauche sollst du kriechen und Staub fressen dein Leben lang. Und ich will Feindschaft setzen zwischen dir und der Frau, zwischen deinem Nachwuchs und ihrem Nachwuchs: Er wird die nach dem Kopf treten und du wirst ihm nach der Ferse schnappen.“ Und zur Frau sagte er: „Ich will dir viel Beschwerden machen in deinen Schwangerschaften; mit Schmerzen wirst du deine Kinder gebären. Nach dem Manne wirst du verlangen, er aber soll dein Herr sein.“ Und zu Adam sagte er: „Weil du auf deine Frau gehört hast und von dem Baume gegessen hast, von dem ich dir gebot: „Iss nicht davon“, darum wirst du dich auf deinem Acker plagen müssen. Mit Mühsal sollst du dich von ihm nähren dein Leben lang. Du wirst dein Getreide ernten, aber Dornen und Disteln wachsen auch. Im Schweiße deines Angesichts wirst du dein Brot essen, bis du wieder zur Erde zurückkehrst, von der du genommen bist. Erde, Adam, bist du, und zur Erde, Adamah, musst du zurück.

Und Adam nannte seine Frau Eva, Chavah, das heißt Leben, denn sie wurde die Mutter aller lebenden Menschen.

Und Gott machte dem Menschenpaar Röcke aus Fellen und kleidete sie.

Dann sagte er zu sich und seinen himmlischen Boten: „Siehe, der Mensch ist geworden wie unsereiner und weiß, was Gut und Böse ist. Damit er nun aber nicht auch vom Baume des Lebens isst, muss er den Garten Eden verlassen.“

So schickte Gott die Menschen fort, dass sie wohnten östlich von Eden, und ließ sie die Erde bebauen, von der sie genommen waren. Das Paradies und den Baum des Lebens sicherte er durch seine Boten, durch die Keruben mit flammenden Schwertern.

Die Menschen sind unwiderruflich vertrieben aus dem idyllischen Dasein im Paradies. Ihr Leben verändert sich dadurch von Grund auf. Was Gott und die Menschen miteinander sprechen, haben Sie eben gehört. Es liegt nahe, dass auch die Menschen untereinander darüber sprachen. Der Erzähler berichtet davon aber nicht. Wir können uns das mit etwas Fantasie  ausmalen. Wir lassen Adam und Eva miteinander sprechen:

Adam: Was ist das für eine elende Plage, diesen Acker zu bebauen! Du hast mir diese Arbeit eingebrockt. Alles deine Schuld. Hättest du nicht von der verbotenen Frucht gegessen und mir davon gegeben, wären wir noch im Garten. Aber was sage ich, Frauen!

Eva: Nun sei doch mal ehrlich, Adam! Du wolltest ja selbst die Frucht probieren. Du hättest ja nein sagen können. Du hast davon gegessen und musst nun auch die Folgen tragen. Aber es ist ja so bequem, immer den anderen die Schuld zuzuschieben. Aber was rede ich? Männer!

Adam: Das ist deine Sicht, Eva. Ich bin eben sauer. Dir geht es gut. Du sitzt bequem zuhause rum, während ich mit meiner Schinderei dafür sorge, dass wir zu essen haben…

Eva: Also wirklich, Adam, du hast keine Ahnung! Wer hat denn unsere Kinder zur Welt gebracht? Wer versorgt sie? Wer zieht sie auf? Was ist schon dein bisschen Unkrautjäten gegen Schwangerschaft, Wehen und Geburt?

Sie sehen, wie wenig Mann und Frau sich in die Lage des jeweils anderen hineinversetzen können. Allzu gern schieben sie dem anderen die Schuld in die Schuhe, wenn sie ihr Elend beklagen. Auch heute noch streiten Menschen  so miteinander.

Die Frage ist, ob das immer so sein muss. Die Menschen hatten doch gerade gelernt, sich zu lieben. Sollten sie da nicht einsichtiger und vernünftiger miteinander sprechen können? Vielleicht sind diese beiden eher so wie Sie selbst? Überlegen Sie mal.

Adam: Was ist das für eine elende Plage, diesen Acker zu bebauen! Ja, aber das habe ich mir wohl selbst eingehandelt. Ich hätte damals im Paradies Gottes Gebot nicht übertreten sollen!

Eva: Ich habe ja auch von der verbotenen Frucht gegessen, dafür habe ich jetzt Schmerzen, jedes Mal, wenn ich ein Kind zur Welt bringe.

Adam: Wir haben damals vom Baum der Erkenntnis gegessen, also haben wir jetzt eben die Erkenntnis darüber, was gut und böse ist. Heute können wir klar und eindeutig sagen, dass es nicht gut war, vom Baum der Erkenntnis zu essen, zumal Gott uns das ja auch verboten hatte.

Eva: Da hast du Recht. Solange wir noch nicht unterscheiden konnten zwischen gut und böse, hat Gott das an unserer Stelle getan. Er hat uns dann gesagt: Dieses dürft ihr tun und jenes nicht. Jetzt können wir das selbst entscheiden. Aber jetzt haben wir auch die Verantwortung.

Adam: Richtig. Jetzt können und müssen wir selbst entscheiden. Aber warum entscheiden wir uns so oft für das Böse, obwohl wir jetzt ganz genau wissen, dass es böse ist? Trotzdem würde ich aber nicht unbedingt sagen, dass wir als Menschen durch und durch böse sind.

Eva: Nein, das glaube ich auch nicht. Aber wenn ich mich an den Augenblick im Paradies erinnere, als ich von der verbotenen Frucht gegessen habe, dann muss ich sagen, dass diese Frucht eben sehr gut aussah, so richtig lecker zum Anbeißen. Außerdem hatte die Schlange mir ja versprochen, dass man davon klug wird. Und klug wollte ich schon gerne werden, Wer will das denn nicht?

Adam: Bei mir war das ähnlich. Ich habe ja gesehen, dass du von der Frucht gegessen hattest und dass du keineswegs tot umgefallen bist. Und da wollte ich auch davon essen. Das Gefühl ist eben stärker als der Verstand.

Eva: Das merke ich immer und immer wieder. Ich weiß ganz genau, dass manche Dinge einfach nicht gut sind, und doch tue ich sie, weil sie bequemer sind oder angenehmer…

Adam: Wenn man immer nach dem Verstand ginge und immer nur täte, was gut ist, dann hätten wir vielleicht wieder so eine Art Paradies.

Eva: Schön und gut, aber ich würde das bestimmt nicht durchhalten. Ich weiß, dass ich immer allzu gerne meinem Gefühl nachgebe und dann doch nicht das Gute tue. Du denn etwa nicht? Sei ehrlich!

Sie merken: So einsichtige Menschen – das ist zu schön, um wahr zu sein. Eva hat schon Recht, wir folgen nur allzu gern dem Gefühl statt dem Verstand, weil es angenehmer und bequemer ist. Das ist eine Erfahrung, die auch wir wohl täglich machen können. Wir wissen z.B. ganz genau, dass es für die Umwelt schädlich ist, mit dem Auto zu fahren, und dass uns etwas Bewegung auch sehr gut tun würde, trotzdem nehmen wir immer wieder das Auto, um einen Weg von 2 oder 3 Kilometern zurückzulegen. Es stimmt schon, dass wir in einer Art Paradies leben würden, wenn wir wirklich immer und überall das Gute täten. Aber so sind wir Menschen eben nicht.

Das große Gegenüber der Menschen ist in dieser Geschichte Gott. Sicher werden sich Adam und Eva über Gott ihre Gedanken gemacht haben. Hören wir einmal zu, was die beiden über Gott gesagt haben könnten:

Adam: Was ist das für eine elende Plage, diesen Acker zu bebauen! Hätte ich nur nicht von diesem Baum der Erkenntnis gegessen. Alles wäre anders gelaufen, wenn es nur nicht diesen verfluchten Baum im Paradies gegeben hätte.

Eva: Ja, das muss auch ich sagen, vieles wäre besser ohne diesen Baum. Warum nur hat Gott diesen Baum mitten in unser Paradies gepflanzt? Wäre der Baum nicht da gewesen, wäre doch nichts passiert und wir säßen immer noch im Paradies.

Adam: Wenn ich es recht bedenke, hat Gott doch eigentlich Schuld daran, dass wir jetzt nicht mehr im Paradies sind.

Eva: Gott soll Schuld haben? Wie das? Ich dachte immer, ich hätte Schuld.

Adam: Hast du ja auch und ich auch, aber Gottes Schuld besteht darin, dass er den Baum der Erkenntnis in den Garten Eden gepflanzt hat und uns gesagt hat, wir sollten nicht davon essen. Da wir vorher die Erkenntnis eben noch nicht hatten, war doch die Gefahr sehr groß, dass wir trotz des Verbots die Früchte probierten.

Eva: Ja, das ist in gewisser Weise so, wie wenn ich unseren Söhnen verbiete, auf den Schlangenacker zu gehen. Ich weiß, dass immer Schlangen dort sind und ich weiß, dass die Kinder nur zu gerne mit den Schlangen spielen würden. Aber die Schlangen sind gefährlich, das begreifen die Kinder aber nicht, weil sie noch nie von einer Schlange gebissen worden sind. Also verbiete ich ihnen, auf den Schlangenacker zu gehen. So hätte ja Gott uns einfach fernhalten können von diesem Baum der Erkenntnis, dass wir gar nicht in Versuchung geführt werden.

Adam: Ja, genau so meine ich es. Letztlich hat Gott uns diesen Ärger mit der Natur und die Probleme, die wir hier außerhalb des Paradieses haben, eingebrockt. Er hat uns eine Falle gestellt, in die wir natürlich früher oder später hineintappen mussten.

Gott kommt bei diesen Überlegungen nicht gut weg. Plötzlich steht er als der Böse da, der den Menschen übel wollte. Hier versuchen die Menschen, Gott die Schuld in die Schuhe zu schieben, nachdem sie gesehen haben, dass es nichts hilft, wenn sie sich gegenseitig die Schuld zuschieben. Dabei ist es durchaus wichtig, in welchem Verhältnis die Menschen zu  Gott stehen, denn das Leben ist schwer außerhalb des Paradieses.

Eva: Die Schlange hat gesagt, dass wir werden wie Gott, wenn wir von der Frucht essen. Vielleicht wollte Gott einfach nur, dass wir ihm ähnlicher werden.

Adam: Na gut, ähnlich in Bezug auf die Erkenntnis von Gut und Böse, aber wir sind nicht unsterblich wie Gott. Und die Erkenntnis von Gut und Böse bringt eben Konflikte mit sich, das Leben ist wirklich nicht einfacher geworden dadurch.

Eva: Nein, sicher nicht einfacher. Aber wir müssen versuchen, in dieser Welt zurechtzukommen, das ist jetzt unsere Aufgabe.

Der Verfasser der Geschichte vom Sündenfall hatte den Alltag der Menschen in dieser Welt vor Augen, die Plackerei mit der Landwirtschaft, die Schmerzen der Frau bei der Geburt der Kinder, der fortwährende Kampf des Menschen mit der Natur, um ihr abzuringen, was für sein Leben notwendig ist, und um seine Kinder und Kindeskinder vor den lebensbedrohenden Seiten der Natur zu schützen.. Sie wirft aber auch ein Licht auf das Verhältnis zwischen Gott und Mensch jenseits des Paradieses. Aber hören Sie noch einmal Adam und Eva nach etlichen Jahren außerhalb des Paradieses:

         Adam: Was ist das für eine elende Plage, diesen Acker zu bebauen! Ich werde auch nicht jünger und kräftiger. Wenn doch unsere Söhne mir wenigstens mal zur Hand gehen würden!

         Eva: Komm, Adam, reg dich nicht auf. Das Leben in dieser Welt ist nicht eben leicht, das war es nie. Die jungen Leute gehen ihre eigenen Wege, aber auch sie werden irgendwann Verantwortung für ihre Kinder übernehmen müssen, dann werden sie uns vielleicht besser verstehen.

         Adam: Na ja, auch unsere Kinder begreifen, was gut und böse ist. Wir haben vom Baum der Erkenntnis gegessen und sie haben die gleiche Erkenntnis wie wir. Wir leben nicht mehr im Paradies und sie leben genauso wie wir außerhalb des Paradieses. Sie können nicht mehr dahin zurück, die Erkenntnis kann man nicht rückgängig machen.

         Eva: Ach, Adam, sag mal ehrlich, möchtest du denn wirklich zurück ins Paradies? Wenn ich das heute vergleiche mit unserem Leben hier, dann war es doch im Paradies irgendwie langweilig.

         Adam: Wieso langweilig? Wie meinst du das?

         Eva: Na, es war ein Leben außerhalb der Zeit. Es gab den Tod nicht, wir haben keine Kinder bekommen im Paradies, wir haben nicht über die Zukunft nachgedacht, weil alles, was wir brauchten, da war. Es gab keinen Kampf ums Dasein. Auch die Vergangenheit war uninteressant, weil sie genauso war wie die Gegenwart. Gott hatte alles wohl geordnet und jeder Tag war wie der vorhergegangene. Ich finde das, wenn ich heute darauf zurückblicke, langweilig.

         Adam: Also, Eva, ich muss schon sagen, ich finde das Leben außerhalb des Paradieses wirklich nicht besser.

         Eva: Besser habe ich ja auch nicht gesagt, nur weniger langweilig. Im Paradies war die Sache einfach: Gott hat alles für uns gemacht und wir lebten im Paradies wie die Pflanzen und Tiere. Da wir die Gabe der Erkenntnis nicht hatten, konnten wir einfach nur tun, was Gott wollte.

         Adam: Dann haben wir vom Baum der Erkenntnis gegessen und dann fingen doch die Schwierigkeiten erst an. Denk doch nur daran, dass unser Sohn Kain seinen Bruder Abel ermordet hat. Denk doch an die Hungerjahre, die wir irgendwie durchstehen mussten….

         Eva: Das ist die eine Seite, Adam, die andere Seite gab es doch auch. Wie haben wir uns gefreut, wenn wir ein Kind bekamen, wie glücklich warst du, wenn wir reichlich zu essen hatten, wie stolz waren wir, wenn unsere Kinder erwachsen wurden und ihren Lebensunterhalt selbst bestritten, sich verliebten und auch wieder Kinder in die Welt setzten. Der Hass zwischen Kain und Abel ist die eine Seite, Adam, aber die Liebe ist die andere Seite. Das alles konnte es im Paradies gar nicht geben.

Im Paradies war der Mensch Gott ganz klar untergeordnet. Er war ein Teil der Schöpfung wie die Pflanzen und Tiere. Mit dem Sündenfall tritt der Mensch Gott gegenüber. Gott bleibt der  Unermessliche, der ganz Andere, aber für den Menschen beginnt das Leben in der Zeit, er erfährt Wachsen und Gedeihen, Saat und Ernte, Geburt und Tod. Er nimmt das Leben wahr, wie wir es  heute auch noch wahrnehmen.  

          Adam:  Ich glaube, Eva, dass es uns in dieser harten Welt manchmal so gut geht, das      haben wir nicht uns oder unserer eigenen Tüchtigkeit zu verdanken, sondern Gott.

         Eva: Wie meinst du das? Das verstehe ich nicht.

         Adam: Als wir damals im Paradies von der verbotenen Frucht gegessen haben, da hätten wir eigentlich sterben müssen. Das hatte Gott uns ja angedroht. Aber wir sind ja nicht gestorben, wir sind nur vertrieben worden aus dem Garten Eden. Und jeder von uns hat noch seine besondere Strafe bekommen, ich die Plage mit dem Acker und du die Schmerzen beim Kinderkriegen. Als Gott uns im Gebüsch entdeckt hatte und mich ansprach, hatte ich gedacht, ich würde gleich tot umfallen, aber nein, Gott fragte erst genau nach, wie es denn gekommen ist usw. Und er hat uns nicht sterben lassen.

         Eva: Ja, das hatte ich damals auch erwartet, wir hätten es ja eigentlich verdient gehabt.

         Adam: Sicher, wir haben unsere Strafe bekommen, aber Gott hat uns auch in dieser harten Welt geholfen. Weißt du noch, dass er uns Kleider aus Fell gemacht hat?

         Eva: Na ja, das mit den Feigenblättern konnte ja auf Dauer nicht gut gehen. Die verwelken ja so schnell.

         Adam: Ja, ich meine, er hat uns in dieser harten Welt nicht allein gelassen, er ist nicht im Paradies geblieben und hat uns unserm Schicksal überlassen. Er hat uns immer wieder geholfen, wenn die Schwierigkeiten zu groß wurden.

         Eva: Ja, ich erinnere mich, als Abel tot war, hatte ich gedacht, ich würde das nicht überleben. Aber Gott schenkte uns dann noch unseren Sohn Seth. Als ich den in den Armen hielt, da habe ich wieder daran geglaubt, dass das Leben weiter geht. Da habe ich begriffen, dass wir nicht auf einer gottverlassenen Erde leben müssen.

         Adam: Ja, das sehe ich auch so. Wir Menschen haben vieles ja nicht in der Hand, z.B. dass wir gesund sind, dass wir lange leben, dass es keine Dürre gibt und kein Erdbeben. Natürlich treffen uns schwere Schicksale, aber manchmal greift Gott zu unseren Gunsten ein. Er hat uns jenseits des Paradieses nicht allein gelassen. Er ist gnädig mit uns, denn oft haben wir seine Hilfe wirklich nicht verdient. 

Eva: Ja, nach dem Paradies haben wir Gott kennen gelernt als den, der mit uns und für uns ist, dessen Freundlichkeit größer ist als seine Gerechtigkeit.

Adam: Und dennoch, wenn ich an den Garten denke, an die Harmonie! Ich könnte schwärmen!

Eva: Ich doch auch, Adam. Wenn ich einen Moment des Glücks erlebe, dann ist es, als würde Gott uns einen Blick zurück ins Paradies gestatten. Wie könnten wir es in dieser harten Welt aushalten, wenn wir nicht ab und zu ins Paradies schauen dürften?

Adam: Gottes Verheißung ist sein Reich,  es wird sein wie das Paradies, aber in der Zukunft.

Adam und Eva haben das Leben außerhalb des Paradieses kennen gelernt. Es ist nicht leicht, gerade so wie unser Leben. Immer wieder müssen wir entscheiden, und immer wieder können wir uns eben auch falsch entscheiden. Wir müssen kämpfen, um zu überleben. Wie viel mehr gilt das für Menschen in anderen Ländern, z.B. in der dritten Welt oder dort, wo Kriege oder Naturkatastrophen den Menschen das Leben zur Hölle machen. Wenn wir in dieser Welt allein gelassen wären, dann bliebe uns wohl oft nur noch die Verzweiflung. Doch die Geschichte von Adam und Eva jenseits des Paradieses sagt uns ganz deutlich, dass wir nicht von Gott verlassen werden, so groß auch unsere Schuld sein mag. Gott geht mit, Gott steht uns bei, Gott liebt uns trotz allem.

Wir leben nicht mehr im Paradies. Diese Zeiten sind endgültig vorbei. Doch ab und an dürfen wir zurückschauen ins Paradies. Wenn Gnade vor Recht ergeht, wenn uns unsere Schuld vergeben wird, wenn uns ein Neuanfang geschenkt wird. Das ist gleichzeitig die Verheißung des Kommenden, die Verheißung des Reiches Gottes. Amen.

 

(Siegward Kunath und Maria Iwamoto)